janet grau

Wiedergabe

Wiedergabe

Performance, Installation, 2003

Ausgangspunkt für dieses Projekt waren die täglichen Bilder und Bildunterschriften in der Boulevardpresse, insbesondere die so genannten 'Miezen' – die Bilder von nackten Frauen in erotischen Posen. Diese Text-Bild-Kombinationen sind so gestaltet, dass sie die Wünsche, Vorurteile und Neugier des Lesers aufrechterhalten, bestätigen und befriedigen.

Trotz ihrer starken Anziehungskraft werden diese sensationellen Botschaften in der Regel weggeworfen, was einen starken Kontrast zwischen der starken Absicht, die hinter diesen Text-Bild-Strategien steht, und ihrem letztendlichen Schicksal im Müll aufzeigt.

Um die Wiederverwendung flüchtiger Botschaften zu untersuchen, konzentrierte sich die Arbeit Wiedergabe auf die Wiederverwendung von Inhalten aus Boulevardzeitungen. In einem öffentlich zugänglichen Arbeitsraum trennte ich die Texte von den dazugehörigen Bildern und übertrug diese Botschaften akribisch durch Sticken auf ein anderes Medium (billige Taschentücher). Durch diesen zeitaufwändigen Prozess werden die Texte nicht nur stabilisiert und konserviert, sondern auch aus ihrem ursprünglichen, spontanen Kontext herausgelöst und rätselhaft.

Zum Beispiel eine Bildunterschrift wie "Was für ein Ärger: Niemand hat einen Blick für Corinnas Puzzle. Tja, liebe Künstlerin: Man lenkt das Publikum ja auch nicht ab", verliert ihre unmittelbare Bedeutung, wenn sie vom Foto isoliert und gestickt wird.

Die investierte Zeit gibt diesen Texten einen neuen Wert und verwandelt sie durch das traditionelle Handwerk des Stickens. Dieser Akt wird zu einer Geste der Klage über die Objektivierung und Gewalt, die der Darstellung von Körpern und Blicken innewohnt.

Die Arbeit und ihre Ergebnisse gipfelten in einer Installation, die sich über mehrere Tage entwickelte und Einblicke in einen Prozess gewährte, der normalerweise auf die Intimität eines Ateliers beschränkt bleibt.

“Nein, meine Herren! Heute kommt Anita mal nicht barbusig daher. Dafür bringt sie eine Aufgabe mit: Schauen Sie bei einer Frau auch mal hinter die Fassade. Dann werden Sie Überraschendes und Aufregendes entdecken.”

Wiedergabe wurde für das Performance-Festival DO YOU UNDERSTAND von zeitraumexit_ex!t entwickelt. Das Thema des Festivals war die Kunst als Methode, die verschiedenen ‚Medien‘ der Sprache zu erforschen.

Fotos: Peter Empl

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